FU Berlin/Offener Brief an den Präsidenten der FU

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[Bearbeiten] Offener Brief

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Alt,

als Präsident der Freien Universität Berlin schreiben Sie auf Ihrer Internetseite von Ihrer Pflicht, möglichst umfangreich über die aktuellen Ereignisse an der Universität zu informieren und dass Ihnen die Kommunikation in die Universität hinein und der Dialog mit ihren Mitgliedern wichtig sind. Sie rufen zu einem produktiven Austausch auf und möchten die Expertise vieler einholen, ehe Entscheidungen gefällt werden.[1]

Die Ereignisse letzter Woche lassen eine Bereitschaft zur Kommunikation nur schwer erkennen. Angesichts eines von Ihnen eingeleiteten unverhältnismäßigen Einsatzes von über hundert Polizistinnen und Polizisten mit anschließender Zwangsräumung von friedlich diskutierenden Studierenden kann von einem produktiven Austausch und Dialog wohl kaum die Rede sein. Die momentane Duldung der Besetzung des Kinosaals der Humboldt Universität zeigt eindeutig, dass es eine angemessene Alternative zu Zwangsmaßnahmen gibt. Zumal die Besetzung an der Freien Universität aus dem Bedürfnis von Studierenden entsprang, sich nach der Vollversammlung frei von regulären „Öffnungszeiten“ der Universität über persönliche Erfahrungen, Forderungen und Missstände inhaltlich auszutauschen.

Wir fordern Sie daher auf, sich vor der Studierendenschaft für dieses Vorgehen zu rechtfertigen, die 56 Anzeigen auf Hausfriedensbruch zurückzuziehen und sich zu entschuldigen.

Im Sinne einer "universitas als communitas"[2], empörte Studierende der „Freien“ Universität

Berlin, den 24.11.2011

  1. Selbstdarstellung des Präsidenten, [1]
  2. Selbstdarstellung des Präsidenten, [2]

[Bearbeiten] Antwort von Präsident Peter-André Alt

Sehr geehrter Herr ---,

haben Sie Dank für Ihre Mail. Das Präsidium und der Präsident stehen auch zukünftig für offenen Dialog über hochschulpolitische Fragen. Forderungen wie die nach einem erweiterten Zugang zum Master, hoher Bildungsgerechtigkeit und besserer Hochschulfinanzierung sind auch die meinen. Wir haben daher im Bildungsstreik 2009 Hochschulbesetzung im Gegensatz zu allen anderen deutschen Universitäten mehr als drei Monate geduldet.

Jedoch mussten wir damals feststellen, dass bei den Besetzenden kein Verständnis dafür bestand, dass die Hörsäle irgendwann auch wieder für den Lehrbetrieb verfügbar gemacht werden mussten. Die Hochschulleitung sah sich damals bereits veranlasst, die Polizei zu rufen, um die Räumung durchzuführen. Ich habe seinerzeit den damit verbundenen Strafantrag wieder zurückgezogen und mit den Besetzern im Präsidium ein längeres Gespräch geführt, in dem ich sie darauf hinwies, dass wir künftig Besetzungen nicht akzeptieren, sofern wir nicht die Gewissheit haben könnten, dass die Besetzer sie zeitlich beschränken.

Am 16.11.2011 haben ca. 80 Personen das Seminarzentrum besetzt. Unser Angebot, einen Raum in der Arnimallee zu nutzen, wurde nicht angenomment. Auch hätte die Gruppe die Gelegenheit gehabt, durchgehend die ganze Nacht das ASTA-Gebäude zu nutzen, das direkt gegenüber liegt, um die hochschulpolitische Diskusion dort fortzuführen, wie dieses an der HU geschah (dort ist kein Seminargebäude besetzt worden, sondern lediglich ein studentischer Aufenthaltsraum). Die im Internet kommunizierten Botschaften lauteteten am Abend des 16.11.: Wir setzen uns fest, Occupy besetzt die Freie Universität. Das kann das Präsidium nicht dulden. Wir haben daher die Besetzer höflich gebeten, das Gebäude zu verlassen; die, die dieser Bitte nicht nachkamen, wurden von der Polizeit hinausgetragen. Die Hochschulleitung hätte es vorgezogen, wenn es zu diesem Einsatz nicht hätte kommen müssen. Sie wird auch weiterhin Räume für studentische Diskussionen, politische Gespräche und Vollversammlungen zur Verfügung stellen und alles tun, um Gelegenheit zur hochschulpolitischen Debatte zu geben. Besetzungen wird sie nicht hinnehmen, weil sie angesichts eines ohnehin schwer zu bewältigen Studierendenandrangs zu unzumutbaren Behinderungen des Seminarbetriebs führen.

Ich hoffe, dass Ihnen mit dieser Antwort die Position der Hochschulleitung deutlicher und auch nachvollziehbar geworden ist.

Mit freundlichen Grüßen Peter-André Alt

Prof. Dr. Peter-André Alt
Präsident
Freie Universität Berlin
Kaiserswerther Str. 16-18
14195 Berlin
Tel.: 0049 30 838 73100
Fax: 0049 30 838 73107
Email: praesident@fu-berlin.de

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